„Allein auf die Gnade Gottes vertrauen“ sei katholischerseits Ketzerei
Bühne schreibt„Er vertraute allein auf die Gnade Gottes und befand sich damit – ohne es zu wissen – im direkten Widerspruch zu seiner Kirche, die eine solche Überzeugung für ketzerisch hält und verdammt.“
Die Kirche lehrt„Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen“ – so bekennt es die katholische Kirche gemeinsam mit den Lutheranern ().
Bühne schreibt auf über einen Katholiken, dieser habe „allein auf die Gnade Gottes“ vertraut und sich damit im direkten Widerspruch zu seiner Kirche befunden, die diese Überzeugung verdamme. Das trifft die katholische Lehre nicht. Sie lehrt ausdrücklich, dass der Anfang der Rechtfertigung von Gottes Gnade ausgeht und niemand die erste Gnade verdienen kann, durch die Bekehrung, Vergebung und Rechtfertigung überhaupt möglich werden (vgl. ; ).
Genau das entspricht auch zentralen Aussagen des Neuen Testaments. Paulus schreibt, dass wir „aus Gnade“ gerettet sind und dies „nicht aus Werken“ geschieht (). In heißt es, dass alle gesündigt haben, und weiter: „Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade“. Auch stellt die Rettung ausdrücklich nicht auf die Grundlage eigener gerechter Werke, sondern auf Gottes Erbarmen. Selbst die menschliche Antwort auf Gottes Ruf setzt nach und sein vorausgehendes Wirken voraus.
Gute Werke werden in der katholischen Lehre daher nicht als Ersatz für Gottes Gnade verstanden, sondern als deren Frucht (vgl. ; ; ). Der Katechismus zitiert dazu Theresia von Lisieux: „Am Ende dieses Lebens werde ich mit leeren Händen vor dir erscheinen; denn ich bitte dich nicht, o Herr, meine Werke zu zählen“ ().
Verworfen hat das Konzil von Trient etwas anderes: die These, der rechtfertigende Glaube sei nichts anderes als das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, oder allein dieses Vertrauen rechtfertige uns (). Das Konzil verwirft also nicht das Vertrauen auf Gottes Gnade, sondern die Gleichsetzung des rechtfertigenden Glaubens mit diesem Vertrauen allein. Nach katholischer Lehre werden bei der Rechtfertigung „Glaube, Hoffnung und Liebe in unsere Herzen gegossen“ (). Das Vertrauen selbst nennt dasselbe Konzil als Teil der Vorbereitung auf die Rechtfertigung (). Katholische Theologie liest deshalb Paulus und Jakobus zusammen: Der Glaube, der rechtfertigt, ist der Glaube, „der durch die Liebe wirkt“ (; vgl. ). Die Wendung „aus Glauben allein“ steht im Neuen Testament übrigens nur an einer Stelle, und dort wird sie verneint: „Ihr seht, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein“ ().
Das oben zitierte Bekenntnis steht in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund 1999 unterzeichnet haben (). Die lutherische Lehre, wie die Erklärung sie darlegt, wird danach „nicht von den Verurteilungen des Trienter Konzils getroffen“ (). Bühne erwähnt die Erklärung selbst (), zitiert aber nicht, was darin über die Gnade steht. Der tatsächliche protestantisch-katholische Streit liegt also wesentlich differenzierter im Verhältnis von Rechtfertigung, Glauben, Liebe und menschlicher Mitwirkung. Die Aussage, Vertrauen auf Gottes Gnade sei katholische Ketzerei, trifft die katholische Position nicht.