Blick senkrecht hinauf in die Kuppel des Petersdoms: goldene Rippen, sechzehn Fenster, oben die Laterne; am unteren Rand der Inschriftenring mit „ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM“.

Katholische Apologetik für den deutschen Sprachraum

Tu es Petrus

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Mt 16,18

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Foto: Diego Delso, CC BY-SA 4.0

Die Inschrift im Kuppelfries

TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLESIAM MEAM ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM

So steht der Satz im Petersdom: als Fries rings um den Fuß der Kuppel, blaue Mosaikbuchstaben auf Goldgrund, jeder 1,41 m hoch, gesetzt 1605/06. Ein rotes Kreuz markiert Anfang und Ende des Rings – lesen kann man ihn nur, wenn man sich unter der Kuppel einmal ganz umdreht.

Matthäus 16,18–19

Ein Name, ein Fels und die Schlüssel

Bei Caesarea Philippi fragt Jesus seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Simon antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Darauf gibt Jesus ihm einen neuen Namen – und einen Auftrag.

Ausschnitt des Kuppelfrieses: blaue Mosaikbuchstaben auf Goldgrund „…RVM ✠ TV ES PETRVS ET SVPER HA…“, darunter das Medaillon des Evangelisten Johannes mit dem Adler, darüber die Galerie und die Fenster des Tambours.
Der Fries im Tambour: „…RVM ✠ TV ES PETRVS ET SVPER HA…“, darunter der Evangelist Johannes mit dem Adler. Foto: SteO153, CC BY-SA 2.5
Vulgata · lateinisch, Fassung von 1592

18Et ego dico tibi, quia tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam, et portae inferi non praevalebunt adversus eam. 19Et tibi dabo claves regni caelorum. Et quodcumque ligaveris super terram, erit ligatum et in caelis: et quodcumque solveris super terram, erit solutum et in caelis.

Einheitsübersetzung · 2016

18Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Gold unterstrichen: die Worte, die im Fries der Kuppel stehen. Wer auf eine Wendung zeigt oder sie antippt, sieht ihre Entsprechung in der anderen Sprache.

Petros, petra, Kepha

„Petrus“ ist ein Beiname, den Jesus Simon gibt (Joh 1,42): griechisch Petros, „Stein, Fels“, verwandt mit petra, „Fels“. Jesus sprach Aramäisch, und dort steht in beiden Satzhälften dasselbe Wort: Kepha. Paulus nennt Petrus deshalb meist „Kephas“ (1 Kor 15,5; Gal 2,9).

Die Schlüssel

Das Bild stammt aus Jes 22,22: Der Palastvorsteher des Hauses David erhält den Schlüssel und damit die Vollmacht im Haus des Königs – ein Amt, das von einem Träger auf den nächsten übergeht. Petrus erhält die Schlüssel als Verwalter im Auftrag Christi, der selbst „den Schlüssel Davids“ hat (Offb 3,7; KKK 553).

Binden und lösen

Was Jesus hier Petrus allein zusagt, sagt er in Mt 18,18 allen Jüngern zu. Petrus steht also nicht außerhalb der Zwölf, sondern an ihrer Spitze: Er soll seine Brüder stärken (Lk 22,32) und die Herde weiden (Joh 21,15–17; KKK 881).

Beiträge

Prüfen, was die Kirche wirklich lehrt

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Der Ort

Über dem Grab des Apostels

Die Inschrift steht nicht zufällig in dieser Kuppel. Senkrecht unter ihr liegen der Papstaltar, die Confessio – und das Grab, das seit dem 2. Jahrhundert als Grab des Petrus verehrt wird.

  1. um 64/67

    Das Grab

    Nach der Überlieferung stirbt Petrus unter Kaiser Nero in Rom als Märtyrer. Begraben wird er in einem Gräberfeld am Vatikanischen Hügel.

  2. um 160

    Das Siegeszeichen

    Über dem Grab entsteht ein kleines Grabmal. Um 200 schreibt der römische Presbyter Gaius: „Ich kann dir die Siegeszeichen der Apostel zeigen. Wenn du zum Vatikan gehen willst …“ (bei Eusebius, Kirchengeschichte II,25,7).

  3. um 320

    Die erste Basilika

    Kaiser Konstantin lässt eine Basilika bauen – genau über diesem Grab, obwohl dafür der Hang abgetragen und ein Friedhof zugeschüttet werden muss.

  4. 1590

    Die Kuppel

    Nach Michelangelos Entwurf wölben Giacomo della Porta und Domenico Fontana die Kuppel in 22 Monaten. Im Ring der Laterne steht: S. PETRI GLORIAE – zur Ehre des heiligen Petrus.

  5. 1605/06

    Die Inschrift

    Mosaizisten setzen das Wort aus Mt 16 in den Fries am Fuß der Kuppel: blaue Steinchen auf Goldgrund, Buchstaben von 1,41 m Höhe.

  6. 1939–1949

    Die Ausgrabung

    Unter dem Petersdom werden das Gräberfeld und das Grabmal des 2. Jahrhunderts freigelegt. Pius XII. erklärt 1950: Das Grab des Apostels ist gefunden.

Foto: Dino Quinzani, CC BY-SA 2.0 · Berninis Baldachin über dem Papstaltar, darüber die Kuppel

Das Auge der Kuppel von unten: Gott Vater im Gewölbe der Laterne, ringsum auf Gold die Inschrift „S. PETRI GLORIAE SIXTVS PP. V. A. MDXC PONTIF. V.“, außen goldene Sterne auf Blau.

Ganz oben

Zur Ehre des heiligen Petrus

S. PETRI GLORIAE SIXTVS PP. V. A. MDXC PONTIF. V.

„Zur Ehre des heiligen Petrus, Papst Sixtus V., im Jahr 1590, dem fünften seines Pontifikats“: So steht es im Ring um das Auge der Kuppel. Darüber, im Gewölbe der Laterne, ist Gott Vater dargestellt. Von unten nach oben gelesen führt die Kuppel vom Grab des Fischers aus Galiläa zu dem, der ihn berufen hat.

Foto: Fischer1961, CC BY-SA 4.0

Der Fries mit „ET TIBI DABO CLAVES REGN…“; auf der Galerie direkt darüber stehen Besucher – sie reichen kaum über die Höhe eines Buchstabens hinaus.

Ein Maßstab

„ET TIBI DABO CLAVES …“ – auf der Galerie über dem Fries stehen Besucher. Sie reichen kaum über die Höhe eines Buchstabens hinaus. Foto: F. Bucher (Fb78), CC BY 2.5

Worum es hier geht

Rede und Antwort

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig.“

1 Petr 3,15–16

Das griechische Wort für „Rede und Antwort“ ist apologia – daher der Name Apologetik. Der Satz steht im ersten Brief des Petrus.

tuespetrus.de erklärt den katholischen Glauben aus der Heiligen Schrift und der Überlieferung der Kirche: für evangelische und freikirchliche Christen, die wissen wollen, was die Kirche tatsächlich lehrt, und für Katholiken, die darauf antworten möchten.